Der Abstand zweier Punkte mit den kartesischen Koordinaten
und
ist normalerweise durch

gegeben. Diese Beziehung sagt etwas über die Geometrie des zugrundeliegenden (dreidimensionalen) Raumes aus: Er ist euklidisch.
Wie sich herausgestellt hat, besitzt die Spezielle Relativitätstheorie eine besonders einfache Struktur, wenn man den vierdimensionalen Minkowski-Raum zugrunde legt, der durch

gekennzeichnet ist. Dabei steht
für den zeitlichen Abstand
zweier ,,Ereignisse`` (d.h. Punkte im Minkowski-Raum). Seine Bedeutung
gründet auf der Tatsache, daß die Bewegungsgleichungen in der Speziellen
Relativitätstheorie gerade unter den Koordinatentransformationen invariant
sind, die
invariant lassen. Die Zeit ist hier keine absolute Größe
mehr (wie noch in der Newtonschen Theorie), man spricht von einer
vierdimensionalen ,,Raumzeit``.
In der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART) wird dieser Raum verallgemeinert auf

Die Koeffizienten
, die sogenannte (Raumzeit-) Metrik,
kann dabei als symmetrische 4 x 4 - Matrix verstanden werden, die nicht
entartet ist und die Signatur (
+++) hat. Im allgemeinen benötigt man
für die Beschreibung eines solchen Raums mehrere Koordinatensysteme, er ist
topologisch gesprochen eine zusammenhängende Hausdorffsche Mannigfaltigkeit.
Im Gegensatz zum Minkowski-Raum kann ein solcher Raum beliebig ,,gekrümmt``
sein (näheres im ersten Abschnitt).
Die noch zu besprechenden Bewegungsgleichungen sollen dabei wie
das Linienelement
unter allen Koordinatentransformationen
invariant
sein. Diese Unabhängigkeit vom zugrundegelegten Koordinatensystem wird als
allgemeines Kovarianzprinzip bezeichnet.
Die eigentliche physikalische Idee der ART liegt nun darin, daß der durch
beschriebene Raum dynamisch mit der Materie in ihm verknüpft ist,
d.h. die Materie ,,krümmt`` den Raum und bewegt sich ihrerseits auf
ausgezeichneten Bahnen des Raums. Um diese Idee mathematisch formulieren
zu können, müssen vorher einige Grundzüge der Riemannschen Geometrie
angesprochen werden. Mit deren Hilfe kann man die geometrischen Eigenschaften
eines Raums intrinsisch, d.h. ohne Bezugnahme auf einen einbettenden
,,Superraum``, beschreiben.
Die mathematischen Größen, die dem Prinzip der Kovarianz gerecht werden,
sind die Tensoren. Wenn V ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum und
der duale Vektorraum ist, so ist ein Tensor T vom Typ
eine
multilineare Abbildung

Dabei stellt V den Tangentialraum an der Raumzeit-Mannigfaltigkeit
und
den Kotangentialraum dar. Die Größe k + l
definiert man als den Rang des Tensors. Die Komponenten
eines solchen Tensors
sind die Entwicklungskoeffizienten von T bezüglich einer bestimmten
Basis (d.h. eines bestimmten Koordinatensystems). Sie sind aber trotz dieser
Abhängigkeit für die kompakte Notation in der ART unerläßlich. Die
nennt man kontravariante Indizes, die
kovariante.
Einfache Beispiele von Tensoren sind Vektoren, Linearformen und Matrizen,
sie entsprechen Tensoren vom Typ
,
bzw.
.
Unter einer Koordinatentransformation
transformieren sich Tensorkomponenten wie

Ein Skalar S ist durch
gekennzeichnet.
Hier wurde die Einsteinsche Summationskonvention verwendet: Über doppelt
auftretende Indizes wird summiert. Dieser Formel kann man den
wichtigen Sachverhalt entnehmen, daß ein Tensor, dessen sämtliche
Komponenten in einem Koordinatensystem verschwinden, in keinem
Koordinatensystemen eine von 0 verschiedene Komponente haben kann.
Es gibt außerdem eine Reihe von Operatoren, die Tensoren in Tensoren
überführen: Die einfache Addition bzw. Subtraktion
, das äußere Produkt
und die Kontraktion
. Die Hintereinanderausführung von äußerem Produkt
und Kontraktion bezeichnet man als Überschiebung.
Die Metrik
vermittelt einen Isomorphismus zwischen einem Vektorraum
und seinem Dualen und kann so durch Überschiebung kontravariante Komponenten
in kovariante überführen. Die mit
bezeichnete zu
inverse
Metrik (d.h.
) überführt kovariante in
kontravariante, z.B.
.
Als nächstes muß man eine Differentiationsvorschrift angeben, die
Tensoren in Tensoren überführt. Die gewöhnliche partielle Ableitung
leistet dieses nicht, da das Ergebnis i.a.
kein Tensor ist, was man am Transformationsverhalten sehen kann. Stattdessen
führt man die durch die Metrik gegebene
kovariante Ableitung ein, die
- in
- Tensoren
überführt und mit einem Semikolon gekennzeichnet wird. Sie ist linear und
erfüllt die Leibnitz-Regel. Zu ihrer Definition benötigt man die durch

definierten Christoffel-Symbole, die keine Tensoren sind und so vom Koordinatensystem abhängen. Mit diesen Größen ist nun

und allgemein

wobei jeweils mit der i-ten Stelle überschoben wird. Für einen Skalar stimmen kovariante und gewöhnliche partielle Ableitung überein. Wie man der Definition der Christoffel-Symbole entnehmen kann, ist die Metrik außerdem kovariant konstant:

Die kovariante Ableitung ist für den Begriff der Parallelität in einem
Riemannschen Raum entscheidend: Ein Tensor
heißt parallelverschoben entlang einer Kurve mit dem Tangentenvektor
, wenn längs der Kurve

gilt. Kurven mit
heißen Autoparallelen oder Geodäten.
Um die Krümmung eines Raumes invariant beschreiben zu können, führt man den Riemannschen Krümmungstensor

ein. Er ist durch die Symmetrien
,
,
gekennzeichnet und erfüllt die Bianchi-Identität
.
Die kontrahierte Form

bezeichnet man als Ricci-Tensor und

als Ricci-Skalar. Man kann den Krümmungstensor auch über die
Beziehung
einführen, was für jedes Vektorfeld
gelten soll. Er ist also ein
Maß für die Nichtvertauschbarkeit von kovarianten
Ableitungen. Der Minkowski-Raum hat gerade die Eigenschaft, daß er flach ist, d.h.
verschwindet in einem solchen Raum.
Schließlich sei noch die folgende Definition angegeben:

Entsprechend bezeichnet man eine Kurve als zeit-, licht- oder raumartig, wenn ihr Tangentenvektor diese Eigenschaft in jedem Punkt hat.
Der ART liegt als physikalischer Kern das sogenannte starke Äquivalenzprinzip zugrunde:
Lokal ist es physikalisch unentscheidbar, ob ein System in einem Gravitationsfeld ruht oder ob es in einem feldfreien Raum beschleunigt ist.
Das schwache Äquivalenzprinzip behauptet dies für die Gesetze der klassischen Mechanik, was der Äquivalenz (genauer gesagt der Proportionalität) von schwerer und träger Masse entspricht.
Auf diese Weise kann man die Schwerkraft als eine geometrische
Eigenschaft des Raums ansehen. Ein in einem Gravitationsfeld frei fallender
Körper, dessen Eigengravitation vernachlässigbar ist (ein
,,Testteilchen``), spürt in dieser Sichtweise keine (Gravitations-) Kraft,
sondern bewegt sich auf einer ausgezeichneten Bahn des Raums. Dessen
geometrischen Eigenschaften sind durch das Gravitationsfeld aller Teilchen
bestimmt. Die Bahnen sind die oben definierten zeitartigen Geodäten,
da sie in gewissem Sinne Kurven minimaler Länge sind (genauer gesagt Kurven
maximaler Eigenzeit) und daher die natürliche Verallgemeinerung der geraden
Linie als kürzester Verbindung zweier Punkte darstellen. Für diese Bahnen
mit dem Tangentenvektor
gilt daher
, d.h. man erhält
die Bewegungsgleichung

Die Materie wird in der ART durch den Energie-Impuls-Tensor
beschrieben.
Dessen Eigenschaften kann man mit Hilfe einer kovarianten Zerlegung beschreiben:


Die Größe

kann man als Projektionstensor auf den zu
orthogonalen Unterraum
verstehen.
Diese Größen haben in dem durch
spezifizierten Ruheraum
eines Beobachters eine physikalische Bedeutung:
läßt sich als
Energiedichte interpretieren, P als (isotroper) Druck,
ist die
Vierer-Energiestromdichte und
der anisotrope Druck. Sie lassen
sich über

aus
gewinnen. Eine ideale Flüssigkeit ist z.B. durch

gekennzeichnet. Man kann außerdem zeigen, daß die Gleichung
als Energieerhaltung
interpretiert werden kann.
Um den Einfluß der Materie auf die Geometrie des Raumes zu
beschreiben, liegt es nahe,
mit der Metrik
und dem Riemannschen Krümmungstensor, der erste
und zweite Ableitungen von
enthält, in Beziehung zu setzen. Dabei
soll
gewährleistet sein. Die allgemeinste Relation
dieser Art, die linear in den zweiten Ableitungen von
ist, lautet

mit
und einem Kopplungsparameter
. Dieses ist
(aufgrund der Symmetrie der Komponenten) ein System aus 10 gekoppelten
nichtlinearen Differentialgleichungen zweiter Ordnung, die man als
Einsteinsche Feldgleichungen oder einfach als Feldgleichungen bezeichnet.
Das Verschwinden von
folgt dabei direkt aus der Bianchi-Identität
aus dem vorigen Abschnitt. Den Tensor

nennt man Einstein-Tensor. Man kann zeigen, daß die Einsteinschen Feldgleichungen in erster Näherung die Newtonsche Gravitationstheorie in Form der Poisson-Gleichung für das Gravitationspotential liefern, wenn man als Kopplungsparameter

ansetzt. In dieser Arbeit werden Einheiten mit G = c = 1 (und
)
benutzt, so daß von nun an
ist.
Die Größe
heißt kosmologische Konstante. Aus astronomischen
Beobachtungen weiß man, daß
nicht größer als
ist, was in
Planck-Einheiten einer dimensionslosen
Größe von etwa
entspricht. Der Einfluß der kosmologischen
Konstante ist also vernachlässigbar klein, so daß man
üblicherweise
setzt. Möglicherweise hat
allerdings
in der extremen Frühphase des Universums eine wichtige Rolle gespielt.
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